Grundregeln für ein besseres Bild

 

Inhalt:

Einleitung
Grundregeln
Drittel-Regel
Freistellen des Motivs
Führungslinien
Rahmen
Muster
Die häufigsten Fehler bei der Bildgestaltung
Entfernung zum Motiv
Platzierung des Hauptmotivs
Abgeschnittene Gliedmaßen
Hintergrund
Ungeeignete Perspektive
Falsche Belichtung
 


Einleitung

Nimmt man ein Foto in die Hand und betrachtet es, erlebt man manchmal, dass einem das Bild oder ein Element des Fotos "ins Auge springt", man empfindet es als gelungen. Ein anderes Foto wirkt auf Anhieb uninteressant und langweilig. Unterbewusst entscheidet der Betrachter im Bruchteil einer Sekunde, ob ihm ein Foto gefällt oder nicht. Warum das so ist, kann er aber oft nicht einmal in Worte fassen.
An diesem Punkt, möcht diese Seite ansetzen und dem Fotograf und dem Betrachter erläutern, warum das so ist und wie man mit der Berücksichtigung einiger Grundregeln bessere Fotos machen kann.
Auch die häufigsten Fehler bei der Gestaltung eines Fotos und wie man sie vermeidet, soll erläutert werden.

Natürlich gilt wie fast immer im Leben, aber ebenso in der Fotografie, auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. Auch ein Bild, das keine dieser Regeln beherzigt, kann ein schönes Bild sein, eben genau aus diesem Grund, dass die Regel keine Beachtung findet. Die hier aufgelisteten Techniken können dem Fotografen eine Hilfe sein, erst recht für Anfänger und Einsteiger der Fotografie.
Üben und vertiefen kann man diese Grundlagen selbst oder in einem Workshop: Blick für das Motiv. Die Umsetzung der Tipps und Tricks dieser Seite setzt natürlich voraus, dass man die technischen Grundlagen der digitalen Fotografie mit einer digitalen Spiegelreflexkamera verstanden hat und anwenden kann. Benötigt man hier noch Wissen und praktische Erfahrung, kann man beides in einem Workshop für Anfänger und Einsteiger erlernen.

 

Grundregeln

Das Bild entsteht zuerst im Kopf

Vor Drücken des Auslösers sollte der Fotograf das Foto bereits im Kopf gemacht haben. Überlegen Sie sich, wie man die Bildelemente positionieren, wie welches Element gewichtet werden soll. Positionieren Sie in Gedanken das Hauptmotiv, integrieren Sie im Anschluss die Nebenmotive. Überlegen Sie sich, welche störenden Elemente sollen auf dem Bild nicht zu sehen sein und wie erreichen Sie, dass diese störenden Elemente tatsächlich nicht im Bild erscheinen.
Machen Sie sich Gedanken zum Hintergrund. Soll der Hintergrund deutlich zu erkennen sein? Welche Gewichtung soll er im Bild einnehmen, dominant sein oder kaum auffallen, soll der Hintergrund gar nicht auf dem Bild zu sehen sein und das Motiv freigestellt werden und der Hintergrund unscharf verschwimmen?

Drittel-Regel

Die Drittel-Regel lehnt sich an den Goldenen Schnitt an, eines der ältesten Gestaltungsmittel in der Kunst. Der Goldene Schnitt ermöglicht eine Positionierung der Bildelemente in einer Weise, die dem menschlichen Auge, beziehungsweise  dem harmonischen Empfinden, schmeichelt. Da der Goldene Schnitt eine nicht ganz einfache und praktische Formel für den alltäglichen Gebrauch darstellt, nimmt man in der Praxis die vereinfachte Form, die Drittel-Regel, die sich an den Goldenen Schnitt anlehnt.

Bei Anwendung der Drittel-Regel teilt man das Bild gedanklich durch horizontale und vertikale (gedachte) Linien in Drittel ein. Hauptelemente  und Nebenelemente positioniert man am besten ungefähr auf den Schnittpunkten dieser Linien. Unser Auge empfindet diese Positionierung als angenehm und harmonisch. Das Bild wirkt klar geordnet und interessant.

 

   
Freistellen des Motivs

Diese Technik bildet das Hauptmotiv scharf und den Hintergrund unscharf ab. Das Hauptmotiv wird so hervorgehoben und stark betont. Freistellen eignet sich, wie hier im Bild, um Details herauszuarbeiten, ist aber auch für Portraits geeignet und ein beliebtes Gestaltungsmittel.

Man verwendet hierfür eine möglichst offene Blende und fokussiert auf das Hauptmotiv. Idealerweise ist der Hintergrund einfarbig und frei von störenden Elementen. Dies verstärkt die Wirkung des Freistellens. Je weiter der Hintergrund vom Motiv entfernt ist, desto unschärfer wird er. 

 

   
Führungslinien

Führungslinien sind eine gestalterische Möglichkeit, das das Auge ins Bild zu führen. Das Auge folgt  einem "Weg" ins Bild hinein.

Die Führungslinie kann sogar selbst zum Hauptmotiv werden. In der Regel ist sie aber ein unterstützendes Element und hat die Funktion eines Nebenmotivs.

Am hier gezeigten Beispiel wird das Auge förmlich zur Bildmitte hin gezogen. Sicherlich ist die Wirkung in diesem Bild überdeutlich und nicht sehr dezent.

 

 

   
Rahmen

Ein gutes Bild oder ein Motiv werden durch einen Rahmen betont und hervorgehoben. Natürlich können Sie das Foto zu Hause in einem Rahmen an die Wand hängen. Allerdings gibt es auch als gestalterisches Mittel die Möglichkeit, natürliche Rahmen und Begrenzungen zur Hervorhebung des eigentlichen Motivs zu verwenden.

Natürliche Rahmen können zum Beispiel, Äste oder Bäume, Felsen und andere Nebenmotive sein. In diesem Beispiel ist es der Bogen des Turmes, der sich in derselben Form beim Hauptmotiv findet. 

Versuchen Sie mit Hilfe eines Rahmens die Wirkung Ihres eigentlichen Hauptmotivs zu verstärken und arbeiten Sie es so verstärkt aus dem Bild heraus.

   
Muster

Regelmäßige, sich wiederholende Elemente oder Muster haben für unser Auge eine Anziehungskraft. Muster haben eine erstaunliche Wirkung, die Regelmäßigkeit empfindet der Betrachter eines Bildes oft angenehm. Im Chaos erkennt er die Wiederholung der einzelnen Bildelemente.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es der Regel des  Goldenen Schnittes, beziehungsweise der Drittel-Regel widerspricht.

Die unterschiedlichen Farben der Schildkröten in diesem Beispielbild bildet einen Kontrast zur Regelmäßigkeit des sich wiederholenden Hauptmotivs und macht so das Bild zusätzlich interessanter.
Beachten Sie auch, dass der gezielte Schärfeverlauf, das Auge zum oberen Drittel des Bildes führt.

 

   
Die häufigsten Fehler bei der Bildgestaltung

Fehlerquellen zu kennen und sich diese bewusst zu machen, hilft Ihnen, sie in Zukunft zu vermeiden. Der häufigste Fehler ist, sich vor einer Aufnahme keine Gedanken zur Gestaltung und der Wirkung der einzelnen Bildelemente zu machen. Weitere typische Fehler werden im Folgenden beschrieben.

 

   
Entfernung zum Motiv

Das Motiv ist zu weit weg und wird zu klein dargestellt. Es sind unwichtige Elemente von der Umgebung zu sehen. Die Gewichtung liegt nicht auf dem Hauptmotiv, es geht im Bild unter, es kommt nicht zur Geltung.

Eine Verbesserung wäre hier möglich, indem man näher an das Motiv herangeht. Ist dies nicht möglich, empfiehlt es sich, eine größere Brennweite zu verwenden, oder einen Telekonverter einzusetzen.

Im Beispiel: Das Rotkehlchen ist zwar dank des Schnees sehr gut erkennbar, aber es ist zu klein abgelichtet und auch ungünstig zentral in der Bild fotografiert. Eine Bildeinteilung entsprechend der Drittel-Regel wäre ebenfalls von Vorteil.

 

   
Platzierung des Hauptmotivs

Achten Sie darauf, wo sie welche Bildelemente im Bild positionieren. Setzen Sie das Hauptmotiv so ins Bild, dass es die dominanteste Rolle in der Wirkung des Bildes einnimmt.
Gruppieren Sie die Nebenmotive ansprechend um das Hauptmotiv herum. Achten Sie darauf, dass die Nebenmotive das Hauptmotiv nicht in der Wirkung übertreffen.

Im Beispiel: Weder der Himmel, noch das Meer oder die Palmen kommen zur Geltung. Der Horizont läuft genau durch die Bildmitte.

Es wirkt dadurch langweilig und uninteressant.

 

   
Abgeschnittene Gliedmaßen

Ungünstig ist es, Bildelemente abzuschneiden, insbesondere bei Gliedmaßen von Tieren oder Menschen. Schneidet man Gliedmaßen ab, wirkt die Gliedmaße wie amputiert.
Verstärkt wird dieser Effekt, wenn Finger oder Zehe, oder Endglieder bzw. Krallen oder der Schwanz eines Tieres abgeschnitten sind.

Im Beispiel: Die Pfote und der Schwanz sind nicht im Bild. Der Ausschnitt wurde falsch gewählt, oder das Tigerjunge hat sich bewegt.
Ebenfalls ungünstig sind die Äste im Vordergrund. Sie stören das Bild und tragen nichts zur Gestaltung des Fotos bei.

 

   
Hintergrund

Achten Sie auf den Hintergrund. Bei Personen ist es immer sehr unvorteilhaft, wenn  Stangen oder Bäume aus dem Kopf "wachsen".

Elemente, die ungünstig im Hintergrund positioniert sind, schmälern den Gesamteindruck und letztendlich die Wirkung des Bildes.

Im Beispiel: Es hat den Anschein, das Jan Ullrich die Stange "aus dem Kopf wächst". Das Wellblechdach und der gelbe Teil der Bühne sind ebenfalls störend und letztendlich erkennt man Jan Ullrich selbst kaum.

 

   
Hier ein anderes Beispiel, bei dem der Hintergrund die Wirkung des Fotos negativ beeinflusst.

Der Hintergrund ist unpassend und störend. Bei einem Bild von einem Specht im Baum, bewirkt das Haus im Hintergrund, dass dem Betrachter sofort klar ist, dass es sich nicht um eine Aufnahme in freier Natur ist, sondern in einem Wohngebiet.

Auch lenkt das Haus im Hintergrund  vom Specht sehr ab. Außerdem ist er zu klein und in der Bildmitte platziert.

 

   
Ungünstige Perspektive

Ungeeignete Perspektive bei Personen- oder Tieraufnahmen erzeugt eine negative Wirkung beim Betrachter. Generell sollte man darauf achten, dass man auf Augenhöhe fotografiert und nicht von oben herab oder von unten herauf.
Dies wirkt unnatürlich und arrogant, als ob man denjenigen, den man fotografiert, gering schätzt.

Beispielsweise kann man bei Kindern oder Kleintieren, in die Knie gehen, um auf ihrer Augenhöhe zu fotografieren.

Im Beispiel: Durch die Aufnahme von oben herab ist der Kopf des Hundes nicht vorteilhaft dargestellt, auch die Augen sind nicht erkennbar. Auch wirkt er aus dieser erhöhten Perspektive noch kleiner.

 

   
Falsche Belichtung

Ein häufiger Fehler ist die falsche Belichtung, entweder durch Überbelichtung oder Unterbelichtung.

Überbelichtung bedeutet, dass helle Bildanteile so hell fotografiert sind, dass nur noch weiss zu sehen ist, aber das Bild keine Information enthält. Eine Zeichnung von Strukturen ist nicht mehr zu erkennen.

Unterbelichtung bedeutet, dass dunkle Bildanteile so dunkel fotografiert wurden, dass nur noch schwarz zu sehen ist, aber keine Informationen mehr im Bild enthalten sind. Zeichnung und Struktur sind nicht erkennbar.

Im Beispiel: Das Fell des Katers ist unterbelichtet, die Zeichnung ist nicht gut erkennbar.