Tierfotografie

 

Inhalt:

Möglichkeiten der Tierfotografie
Anforderungen an die Fotoausrüstung
Planung einer Foto Tour
Kriterien an ein gutes Tierfoto
Grundsätzliche Regeln der Tierfotografie
Ganzkörperaufnahme, Ausschnitt, Portrait
Hindernisse gezielt eliminieren
Tipps & Tricks für die Tierfotografie

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Möglichkeiten der Tierfotografie

Die Natur in ihrer großen Vielfalt bietet unzählige Motive an. Ein großes Themengebiet ist die Tierfotografie. Sie bietet dem Fotografen immer neue Herausforderungen und Möglichkeiten, die Tierwelt in Szene zu setzen.

Wildlife Fotografie beginnt auf dem eigenen Balkon, vor der eigenen Haustüre, im eigenen Garten, am Gartenteich, im Stadtpark oder im nächstgelegen Wald und der näheren Umgebung. Wichtig ist, dass man als Fotograf die Augen für seine unmittelbare Umgebung öffnet und wieder lernt hinzuschauen. Natürlich kann man auch die Landschaft um das eigene Zuhause erkunden und entdecken. Man sollte ungemähte Wiesen durchstreifen, Blumen und Blüten beobachten und den Blick vom Boden bis in die Baumwipfel streifen lassen.   

Ist dem Fotografen die nähere Umgebung zu unspektakulär, Reisen in ferne Länder, bzw. zu den  natürlichen Lebensräumen der Tiere nicht möglich, bieten sich viele weitere Möglichkeiten an. Der Besuch eines Zoos oder Tierparks, eines Wildegeheges, eines Botanischen Gartens (hier gibt es auch viele Tiere, gerade wegen der Pflanzen), bietet sich geradezu an, um eindrucksvolle Tierfotos zu erstellen. Weitere empfehlenswerte Anlaufstellen sind Biotope, Naturschutzgebiete oder Einrichtungen des Naturschutzbundes. Es versteht sich von selbst, dass man sich als Fotograf rücksichtsvoll gegenüber den Tieren verhält und ihnen keinen Schaden zufügt.  Beispielsweise ist  bei nistenden Vögeln Abstand zu halten und Vorsicht walten zu lassen, um die Tiere nicht beim Brüten zu stören.

 

Anforderungen an die Fotoausrüstung

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da die jeweiligen Bereiche der Tierfotografie unterschiedliche Anforderungen an die Ausrüstung stellen oder Spezialobjektive oder Zubehör erfordern. Ich möchte versuchen, einen Überblick zu geben.

Für kleine Motive / Tiere: Der Makrofotograf benötigt ein stabiles Stativ, ein langes Teleobjektiv (ab 300 mm Brennweite) und eine Achromat Nahlinse oder ein spezielles Makroobjektiv, gegebenenfalls Zwischenringe und einen Fernauslöser. Eventuell bietet sich die Verwendung eines Zangenblitzes oder ein Ringblitzes an. Geeignetes Gestänge und / oder Klemmen dient dazu, Pflanzen zu fixieren, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden. 

Für große Motive / Tiere: Hier benötigt der Tierfotograf ein Teleobjektiv / Telezoom (ab 300 mm Brennweite fängt es eigentlich erst an Spaß zu machen), mit oder ohne optischem Bildstabilisator. Hier wird schnell deutlich, dass zu kurze Brennweiten dem ambitionierten Tierfotografen schnell die Lust an der Tierfotografie vergehen lassen werden, da Tiere ohne ausreichend Brennweite zu klein abgebildet werden. Objektive mit großer Brennweite sind aber (sehr) teuer, speziell Objektive mit einer Brennweite über 300 mm. Eine Lösung, die als akzeptabel, gemessen am Preis, angesehen werden kann, ist der Einsatz von Telekonvertern. Die Vorteile von Telekonvertern sind der günstige Preis und das geringe Gewicht. Nachteile von Telekonvertern sind Verlust von Bildqualität (bei einem Telekonverter mit Faktor 1,5 ca. 10%; bei einem Telekonverter mit Faktor 2,0 ca. 20%) und dem Verlust des Autofokus ab ca. Blende 8,0. Daher muss in diesem Fall manuell fokussiert werden. Ein weiterer Nachteil ist die Zunahme von Ausschuss bei den Bildern, da vermehrt Unschärfe durch Bewegung auftritt. Auch ist es nur sinnvoll, Telekonverter an hochwertigen Objektiven zu einzusetzen, da sonst der Qualitätsverlust zu sehr ins Gewicht fällt und die Abbildungsleistung zu schlecht ist.
Für entspanntes Arbeiten und Warten auf eine spannende Szene empfiehlt sich der Einsatz eines stabilen Stativs mit passendem Kopf und Schnellwechselplatte. (siehe unten)

 

Planung einer Foto Tour

Planen Sie Ihre Fototour, bereiten Sie sich vor, bevor Sie sich auf den Weg machen. Packen Sie an Ausrüstung alles ein, was Sie benötigen werden. Versuchen Sie sich Informationen über die Tiere, die Sie fotografieren wollen, zu beschaffen. Lesen Sie die Eigenschaften und Besonderheiten der Tierart nach und studieren Sie Ihr Verhalten. Bei Fototouren in einen Zoo oder Wildpark empfiehlt es sich, Informationen über die Location im Internet zu recherchieren. Zu Beginn eines Zoobesuches ist es von Vorteil sich, sich nach den Fütterungszeiten der Tiere zu erkundigen. Oft lohnt es sich, vor der Fütterung zu fotografieren, da die Tiere hungriger und aktiver sind, wie nach der Fütterung. Natürlich kann auch die Fütterung selbst ein interessantes Thema sein und tolle Motive bieten.   

 

Kriterien an ein gutes Tierfoto

Was macht ein gutes Tierfoto aus? Ein Tier einfach nur abzulichten ist eine Sache, aber schließlich möchte man ja ein Tierfoto machen, das eine besondere Ausstrahlung hat und den Betrachter des Bildes fasziniert. Das klingt einfach und dennoch ist es die Umsetzung nicht immer leicht. Aber es gibt Möglichkeiten, an eine solche Situation heranzugehen, einige werden im folgenden vorgestellt.

 

Grundsätzliche Regeln der Tierfotografie

Ein Lichtreflex im Auge des Tieres macht das Auge lebendig. Ohne einen Lichtreflex im Auge entsteht mitunter ein lebloser oder unglücklicher Eindruck. Ein Betrachter empfindet ein Tierfoto als scharf, wenn die Schärfe auf den Augen des Tieres liegt. Weitere Kriterien für Schärfeempfinden ist die Zeichnung des Felles, oder die Schärfe einer Schnauze oder Lippen.

Die jeweilige Haltung eines Tieres wirkt sich auf den Eindruck des Betrachters vom Tier aus. Beispielsweise wirkt eine tiefe Kopfhaltung eines Tieres oft negativ auf den Betrachter, kann aber auch Angriffslust oder Aggression vermitteln.

Idealerweise fotografiert man auf Augenhöhe des Tieres, nicht von oben herab oder von unten. Interessant kann es auch sein, aus der Tierperspektive zu fotografieren.

Jeder Tierfotograf sollte Kenntnisse über das Tier, das er fotografieren möchte und dessen Verhalten, besitzen. Durch sein Wissen vom Verhalten des Tieres, kann er Verhaltensweisen erahnen und Reaktionen besser einschätzen. Dies ist ein Vorteil, auf den man als Tierfotograf nicht verzichten sollte.

Versuchen Sie dem Tier mit Ihrem Foto gerecht zu werden. Sehen Sie das Tier als das, was es ist und setzen Sie das Tierfoto in diesem Kontext um. Ein Raubtier ist ein Raubtier und kein Kuscheltier. Arbeiten Sie diese spezifischen Zusammenhänge in Ihrem Tierfoto heraus und fotografieren Sie ein Raubtier auch als Raubtier. Warum soll man auf dem Bild nicht erkennen, dass es ein wildes Tier ist? Aber seien Sie darauf gefasst, dass Sie auch Kritik ernten werden, da viele Betrachter Fotos, die die Wildheit des Tieres (z.B. Raubkatzen mit Blut ums Maul) und damit eigentlich nur die Natur und natürliches Verhalten zeigen, abstoßend finden werden.

Selbstverständlich gelten in der Tierfotografie ebenfalls die allgemeinen Grundregeln der Fotografie beim Bildaufbau, wie z.B. die Drittel-Regel, der Goldener Schnitt und das Einbeziehen von Führungslinien. Variieren Sie zwischen Hochformat und Querformat und integrieren Sie die Haupt- und Nebenelemente des Motivs optimal ins Bild.

Ganzkörperaufnahme, Ausschnitt, Portrait

Generell gibt es verschiedene Ansätze, ein Tier ins Bild zu setzen. Versuchen sie folgende Varianten, ein Tierfoto zu gestalten:

Ganzkörperaufnahme:
Eine klassische Variante. Achten Sie darauf, dass alle Körperteile des Tieres, das Fell und der Schwanz im Bild zu sehen sind. Sind Pfoten, Ohren oder die Schwanzspitze abgeschnitten und nicht im Bild zu erkennen, fehlt dem Betrachter (bewußt oder unbewußt) ein Teil des Tieres, der Gesamteindruck des Bildes ist schlechter. Sollten Körperteile, die nicht unmittelbar von zentraler Bedeutung für das Bild sind, verdeckt sein, ist dies nicht schlimm. Als Beispiel stellen Sie sich vor, dass die Pfote eines Hundes nicht zu sehen ist, weil sie durch einen Ast oder einen Ball verdeckt ist. Verdeckt der Ast oder Ball aber die Augen des Hundes, ist die Wirkung des gesamten Bildes wesentlich beeinträchtigt, denn die Augen eines Tieres sind im Bild immer ein sehr wichtiges Element.

Ausschnitt vom Körper:
Wenn Sie nicht in der Lage sind, eine Ganzkörperaufnahme zu machen, aufgrund technischer Gründe oder störender Elemente im Bild oder Hintergrund, bietet es sich an, einen Ausschnitt zu erstellen. Hierzu müssen Sie Körperteile des Tieres weglassen. Achten Sie beim Bildaufbau genau darauf, welche Körperteile sie im Bild weglassen, weniger ist hier oft mehr. Lassen Sie beispielsweise eine Pfote besser ganz weg (und fotografieren Sie nur ein Teil des Beines), statt abgeschnittene Zehen im Bild zu haben. Es ist äußerst unvorteilhaft, Endglieder einer Pfote oder Ohren abzuschneiden, da die Gliedmaße amputiert aussieht. Gerade bei Ausschnitten empfiehlt sich beim Bildaufbau die Berücksichtigung der Drittel-Regel.

Portraitaufnahme:
Setzen Sie den Kopf und Oberkörper gezielt als Bild bestimmendes Hauptelement in Szene. Legen Sie den Schwerpunkt auf die Augen des Tieres. Geben Sie dem Betrachter des Bildes das Gefühl, dass er Blickkontakt mit dem fotografierten Tier aufnehmen kann.

 

Hindernisse gezielt eliminieren

Immer trifft man beim Fotografieren auf störende Elemente. Das Hauptproblem bei der Tierfotografie im Zoo oder Tierpark sind Gehege oder Gitter im Hintergrund. Sie erzeugen beim Betrachter des Tierfotos immer negative Empfindungen und Gefühle. Ein anderes Problem sind bauliche Eigenheiten von Gehegen, wie z.B. Betonelemente, Mauern oder Holzverschläge, die die Wirkung eines Tierfotos negativ beeinflussen.

Eine gute Möglichkeit, störende Gitter, Draht oder Netze aus dem Tierfoto zu eliminieren, ist das Freistellen des Motivs. Dies geht folgendermaßen: Mit der Frontlinse des Objektives geht man möglichst nah an das Gitter / Netz heran. Als Kameraeinstellung verwendet man die Zeitautomatik (AV-Modus) der Kamera und wählt eine möglichst offene Blende (=kleine Blendenzahl). Legen Sie die Schärfe des Bildes gezielt auf das Tier, am besten auf dessen Augen. Das Gitter / Netz wird nicht abgebildet, ebenso wird der Hintergrund unscharf und verschwimmt. Am besten funktioniert das Freistellen des Motivs, wenn das Tier möglichst weit vom Gitter / Netz und gleichzeitig möglichst weit vom störenden Hintergrundelement entfernt ist. 

Natürlich kann man auch die Methode des Freisstellens verwenden, um gezielte Akzente zu setzten und Teile des Motivs herauszuarbeiten und zu betonen. Ein gelungenes Spiel mit Schärfe und Unschärfe kann sehr beeindruckend sein. Versuchen Sie es einmal.

 

Tipps & Tricks für die Tierfotografie

Moderne digitale Spiegelreflexkameras erlauben heutzutage eine hohe ISO-Einstellung, ohne dass sich störendes Bildrauschen bemerkbar macht. Je nach Kamera sind ISO 400, oder sogar ISO 800 kein Problem. Diese Tatsache sollte der Tierfotograf mit langen Brennweiten nutzen, um möglichst kurze Verschlusszeiten zu erreichen. So kann er Bewegungen der Tiere einfrieren und das Risiko der Bewegungsunschärfe im Bild reduzieren.

Eine Empfehlung: Stellen Sie die Serienbildfunktion Ihrer Kamera ein. Nach kurzer Zeit haben Sie sich an die Empfindlichkeit des Auslösers gewöhnt, so dass sie auch in dieser Einstellung Einzelbilder fotografieren können. Der Vorteil dieser Variante besteht darin, dass Sie im entscheidenden Moment mit dem Finger auf dem Auslöser bleiben und sofort eine Serienbildaufnahme machen können. Sie werden überrascht von Ihren Ergebnissen sein!

Die Serienbildfunktion ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, Tierfotos zu machen, die als Einzelbild niemals fotografiert werden können, da man schlicht zu langsam ist, wenn man versucht, den Auslöser erst im entscheidenden Moment zu drücken. Versuchen Sie einmal mit der Einzelbildfunktion ein Raubtier gähnend mit offenem Maul und gebleckten Zähnen zu fotografieren. Falls es Ihnen gelingen sollte, gratuliere ich Ihnen zu diesem Zufallstreffer.

Da bei der Tierfotografie oft lange und schwere Teleobjektive zum Einsatz kommen, ist es sehr anstrengend und ermüdend, diese die ganze Zeit frei Hand tragen und halten zu müssen. Oft wartet man lange, bevor man endlich eine spannende Szene vor der Linse hat. Entspanntes Warten und Arbeiten ist durch den Einsatz eines stabilen Stativs möglich. Idealerweise verwendet man einen Stativkopf, am besten mit Friktion, um den Widerstand des Kopfes an das Auflagegewicht von Kamera und Objektiv anpassen zu können. Der Stativkopf sollte einhändig und intuitiv zu bedienen sein, wie beispielsweise ein Kugelkopf der Fa. Novoflex (ClassicBall oder Magicball) oder einen Fluidneiger (z.B. der Fa. Gitzo).

Perfekt wird das Stativ mit einer Schnellwechselverbindung (Achtung: bitte eine stabile Variante einsetzen, der Ausrüstung zuliebe, z.B. MiniConnect, Fa. Novoflex), um die Kamera bei Bedarf schnell vom Stativ trennen zu können.

Bestenfalls bringt der Tierfotograf eine Eigenschaft mit sich, die nicht käuflich erworben werden kann: Geduld, Geduld und nochmals Geduld...