Fotoausrüstung und Urlaub, Zoll und Kamerakauf im Ausland

Die Koffer sind gepackt und der nächste Urlaub steht kurz bevor. Die Freude ist groß, schließlich will man sich erholen und viele neue Motive entdecken und fotografieren. Bei aller Vorfreude lauern einige unerfreuliche Überraschungen auf den Reisenden mit Fotoausrüstung. Im folgenden möchte ich einige Tipps geben, wie man sich als Fotograf im Urlaub viel Stress und Ärger ersparen kann und sich so entspannt der Reisefotografie widmen kann.

Vor dem Aufbruch in den Urlaub

Vor man mit seiner Fotoausrüstung in das Flugzeug steigt, sollte man bereits an die Wiedereinreise nach Deutschland gedacht haben. Insbesondere wenn man eine Reise in die USA oder nach Asien plant.
Bei der Wiedereinreise nach Deutschland kann es passieren, dass der deutsche Zoll den Verdacht äußert, dass man seine hochwertige Fotoausrüstung im Ausland gekauft hat, um die Fotoausrüstung günstiger erworben zu haben.

Die Rechtslage sieht faktisch so aus, dass man als Fotograf dem Zoll nachweisen muss, dass man seine Fotoausrüstung in Deutschland gekauft hat, beziehungsweise bereits bei Einfuhr legal angemeldet und versteuert hat. Kann man das vor Ort bei der Zollkontrolle nicht nachweisen, besteht der Verdacht auf Schmuggel, was in der Konsequenz bedeutet, dass die komplette Fotoausrüstung beschlagnahmt wird, bis der Nachweis über den Kauf in Deutschland erbracht ist. In dieser Situation vor Ort bedeutet dies, die Fotoausrüstung wird beschlagnahmt. Man muss nach Hause fahren, sämtliche Rechnungen holen, wieder zurück zum Flughafen fahren um die Rechnungen vorzulegen, um seine Fotoausrüstung zurück zu bekommen.

Um dem Zoll zu beweisen, dass man seine Fotoausrüstung in Deutschland erworben hat, gibt es folgende Möglichkeiten:

Rechungen / Besser: Rechnungskopien

Man kann sämtliche Rechnungen der einzelnen Bestandteile seiner Fotoausrüstung mitführen und bei Bedarf vorlegen. Dies ist allerdings nicht sinnvoll, denn im Fall, dass man bestohlen wird, sind die Rechnungen ebenfalls verloren. Die Konsequenz kann sein, dass man Probleme mit seiner Kameraversicherung bekommt, falls diese die Rechnungen zur Schadensregulierung verlangt. Ausserdem hat der Dieb die Rechnungen in der Hand und kann behaupten, dass er die Kamera käuflich erworben hat, mitsamt den Rechnungen.
Besser ist es, Kopien der Rechnungen mitzuführen. Diese werden wahrscheinlich vom Zoll anerkannt.
Allerdings ist es überaus lästig einen ganzen Stapel Rechungen bzw. Rechungskopien mitzuführen, erst recht bei einer umfangreicheren Fotoausrüstung.

Vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung

Die elegante Variante, die allerdings etwas zeitaufwändiger ist. Die vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung stellt jede Zollbehörde aus. Sie weist nach, dass man seine Fotoausrüstung in Deutschland gekauft hat.
Man fährt mit seiner Fotoausrüstung und sämtlichen Rechnungen zum nächsten Zollamt oder Zollbüro am Flughafen und lässt sich vom Zollbeamten vor Ort eine vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung ausstellen. Diese ist kostenlos.
Um dem Zollbeamten die Arbeit zu erleichtern und um schneller an eine vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung zu kommen, empfiehlt es sich, eine Liste der gesamten Fotoausrüstung mit Seriennummern zu erstellen, die der Zollbeamte an das Formular anheften kann. (Das Formular ist sehr klein) 
Der Vorteil ist, dass man nur ein Stück Papier mit sich führen muss. Der Nachteil der vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung ist, dass diese eine beschränkte Gültigkeitsdauer besitzt und daher im Prinzip vor jeder Reise ins nichteuropäische Ausland neu ausgestellt werden muss. Hat man bereits eine abgelaufene vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung vorzulegen, geht die Ausstellung weiterer Bescheinigungen mit einer neu ausgedruckten Liste sehr schnell und unkompliziert.

In Kürze:

Liste der Ausrüstung erstellen, Rechnungen mitnehmen, zum Zollamt oder Flughafen fahren, eine vereinfachte Nämlichkeitsbescheinigung ausstellen lassen. Oder alle Rechnungen kopieren und Kopien mitnehmen. Siehe hierzu auch folgende Links:

http://www.zoll.de/faq/reiseverkehr/index.html

oder genauer:
http://www.zoll.de/faq/reiseverkehr/ausreise/index.html#fotoausruestung

 

Fotoversicherung

 

 

Besitzt man eine umfangreiche und teure Fotoausrüstung sollte man darüber nachdenken, ob man eine Fotoversicherung für sein Equipment abschließt. Dies ist nicht nur sinnvoll, wenn man ins Ausland reist, auch zuhause kann eine Beschädigung durch Unachtsamkeit entstehen oder ein Diebstahl passieren. Der Urlaub lässt sich entspannter genießen, wenn man weiss, dass man im Falle eines Falles versichert ist. Natürlich kann man vor Ort dann keine Fotos mehr erstellen, aber der Verlust der Fotoausrüstung wird ersetzt.
Vorsicht: Nimmt man das Flugzeug zum Traumziel, sollte man unbedingt die Fotoausrüstung als Handgepäck mitnehmen, da eine Fotoversicherung im Falle einer Gepäckaufgabe und eines Verlustes im Zuge dessen, nicht einspringt.

 

 

 

Fliegen mit Fotoausrüstungen

Fotoausrüstung im Flugzeug als Handgepäck

Eine Fotoausrüstung sollte man im Flugzeug unbedingt als Handgepäck mitnehmen. Das hat ganz einfach den Hintergrund, dass Fluggesellschaften nicht sehr sanft mit Gepäck umgehen, um es höflich auszudrücken. Generell ist davon auszugehen, dass eine Fotoausrüstung zu empfindlich ist und die ruppige Behandlung eines Gepäckstückes durch eine Fluggesellschaft nicht unbeschadet übersteht. Hinzu kommt, dass die Versicherungen der Airlines eine Beschränkung bei der Schadenssumme haben. Meist wird pro Kilogramm Gepäck nur eine bestimmte Summe ersetzt. Diese deckt jedoch mit Sicherheit nicht den entstanden Schaden ab. Ebenfalls beachten sollte man die Tatsache, dass es sich bei einer Fotoausrüstung um einen Wertgegenstand handelt. Wertgegenstände sollte man bei Airlines nicht als Gepäck aufgeben, da diese oft von der Haftung einer Fluggesellschaft ausgeschlossen sind. 
Die Gewichtsbeschränkung für Handgepäck der jeweiligen Fluggesellschaft kann man vorab erfragen und sollte sie möglichst einhalten.

Stativ in Koffer

Oft möchte man ein Stativ in den Urlaub mit nehmen, um schöne Sonnenuntergänge zu fotografieren oder um Nachtaufnahmen zu machen. Ein Stativ wird von den Sicherheitsbeamten der Flugsicherung als Schlagwaffe angesehen und ist daher im Flugzeug in aller Regel nicht erlaubt. Um sich unnötigen Stress und Ärger zu ersparen, sollte man sein Stativ im Koffer verstauen.
Eventuell kann man das Stativ auch als Sperrgepäck beim Betreten des Flugzeuges bei der Crew abgeben, wie zum Beispiel einen Kinderwagen, um es am Zielort vor Verlassen des Flugzeuges wieder zu erhalten. Dies sollte man unbedingt vorab mit der Fluggesellschaft klären, am besten schriftlich. Verlassen, dass dies aber tatsächlich klappt, sollte man sich aber lieber nicht.

 

Reise in die USA oder nach England mit Fotoausrüstung

Eine Reise in die USA oder nach England sind mittlerweile eine schwierige Angelegenheit für Fotografen geworden. Durch die große Angst vor erneuten Terroranschlägen, haben diese Länder sehr strenge Sicherheitsbestimmungen erlassen, die Fotografen einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Handgepäck darf nur aus einer durchsichtigen Plastiktüte mit Reisepässen, den allernötigsten persönlichen Gegenständen und vom Arzt (nachweislich) verschriebenen Medikamenten bestehen.
Koffer und Gepäck, das aufgegeben wird, darf nicht mehr verschlossen sein, beziehungsweise nur mit einem Schloss, das mit einen Universalschlüssel zu öffnen ist.
Für den Fotografen bedeuten diese Bestimmungen, dass er seine Fotoausrüstung zwingend als Gepäck aufgeben muss und darf sie dabei nicht einmal verschließen. Keine Fotoversicherung wird bei Verlust, Diebstahl oder Beschädigung einspringen.

Eine Möglichkeit diese unangenehme Tatsche zu umgehen, ist die Fotoausrüstung vorab mit einer Spedition zu verschicken. Je nach Leistung der Spedition und dem Wert der Fotoausrüstung ist das Verschicken eine teure Angelegenheit.  

 

Objektiv Kauf / Kamera Kauf im Ausland

Verlockend für viele Urlauber ist der Kauf von Kamera und Objektiv /Objektiven im Ausland. Aufgrund der günstigeren Preise in Hongkong, Bangkok, Singapur oder anderen Städten in Asien oder den USA hoffen viele Urlauber auf ein Urlaubsschnäppchen. Aber Vorsicht: Nicht allein der Preis sollte ein Argument sein! Schnell kann ein solches Schnäppchen sehr teuer werden.

Bei der Einreise nach Deutschland darf man zollfrei Waren von maximal 175,00 € (Gesamtsumme aller Waren) pro Person einführen. Überschreitet man diese Summe, muss man dies bei der Einreise am Zoll deklarieren. Je nach Ware fallen Zollgebühren in unterschiedlicher Höhe und Einfuhrumsatzsteuer an. Für Kameras, Objektive und weiteres Fotozubehör kann man mit ca. 7% Zollgebühren kalkulieren. Auf diese Summe (Kaufpreis + Zollgebühren) kommen noch einmal (mittlerweile) 19% Einfuhrumsatzsteuer. Alles in allem betragen die Kosten ca. 26%, die zum ursprünglichen Kaufpreis hinzukommen.
Ein schlechter Wechselkurs tut mittlerweile oft sein übriges, um das Schnäppchen teurer werden zu lassen.
An dieser Stelle sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Schmuggel kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat ist. Versucht man, Zollbeamte zu täuschen, muss man zwingend mit einer Strafanzeige wegen Steuerhinterziehung rechnen. 
Selbst wenn man es schaffen sollte, seine im Ausland gekaufte Fotoausrüstung einmal am Zoll vorbei zu schmuggeln, kann es bei einer erneuten Einreise nach dem nächsten Urlaub zu einer Kontrolle kommen.

So seltsam es klingt, in Asien, wo Kamera, Objektive und Fotozubehör produziert werden, bekommt man oft Modelle einer älteren Generation (gerade bei Objektiven) angeboten, zu einem Preis, der identisch mit dem in Deutschland ist. Überlegt man sich einen Kauf im Ausland, sollte man die Preise sehr gut kennen und auch die einzelnen Baureihen und Generationen von Objektiven unterscheiden können Sonst läuft man schnell Gefahr, dass man freundlich lächelnd über das Ohr gehauen wird. Nicht selten werden sogar Fälschungen von Objektiven verkauft. 

Hat man sich noch immer nicht abschrecken lassen, sollte man ferner bedenken, dass es im Ausland keine Händlergarantie gibt. Reklamation, Rücknahme oder Kulanz bei Händlern im Ausland, wie es der deutsche Verbraucher hierzulande kennt, gibt es quasi nicht. Gekauft wie gesehen, heißt die Devise. Eine zufrieden stellende Lösung vor Ort zu erzielen ist oft unmöglich, da die Händler sehr genau wissen, dass ein Tourist nur sehr begrenzte Zeit im Urlaub ist und bald wieder abreist.

Damit nicht genug. Zu Hause angekommen ist neuer Ärger vorprogrammiert. Wendet man sich vertrauensvoll an den Hersteller seiner Kameramarke, wird man oft mit der Begründung abgewiesen, dass es für Ware (Grauware), die nicht für den europäischen / deutschen Markt bestimmt war, keine Garantie gibt. Bestenfalls erklärt sich der Hersteller bereit, ein Problem oder einen Defekt gegen Bezahlung zu beheben.

Wie bis hierher aufgeführt, bergen die vermeintlichen Urlaubsschnäppchen ein hohes Risiko, dass es am Ende teurer wird als gedacht. Wer sich dennoch nicht abschrecken lassen möchte, wird spätestens, wenn er vor Ort die Preise sieht feststellen, dass sich ein Kauf von vornherein nicht lohnt, da die Preisersparnis, sofern es eine gibt, sehr gering ist. Auch Händler im Ausland haben nichts zu verschenken.

Nun bleibt mir an dieser Stelle nur noch, Ihnen einen schönen Urlaub mit vielen tollen Motiven zu wünschen.